Latein – gestern und heute
Latein war die Sprache Roms, das über viele Jahrhunderte die Länder
rund um das Mittelmeer und teilweise weit darüber hinaus beherrschte.
Dabei hinterließen die Römer nicht nur zahlreiche Bauten, die
heute noch von Spanien bis Syrien von den Touristen bewundert werden, sie
hinterließen nicht nur tiefe Spuren im Denken und Leben der europäischen
Völker, sie hinterließen insbesondere ihre Sprache, die heute
in den romanischen Sprachen der Welt (Spanisch, Französisch, Italienisch, …)
das lateinische Erbe in Wortschatz und Grammatik weiter tragen. Hierbei spielten
nicht nur die Römer selbst eine Rolle, beinahe wichtiger ist die Tatsache,
dass bis weit ins 18. Jahrhundert hinein Latein die Sprache der Wissenschaft
war, warum auch gerade auf diesem Gebiet besonders viele Wörter, die
dem Latein entstammen, gebräuchlich sind.
So ist Latein zwar eine tote Sprache, die nirgendwo auf der Welt mehr gesprochen
wird, aber der Gärtner spricht heute noch von der "tilia cordata",
der Diplomlandwirt vom "trifolium campestre", die Krankenschwester
von der "intravenöse Injektion", der Bibliothekar vom "numerus
currens", der Volkswirt von der "optimalen Allokation" und
die Krankengymnastin vom "latissimus dorsi", wobei ehrlicherweise
gesagt werden muss, dass diese Leute normalerweise alle kein Latein können,
sondern lateinische Wörter auswendig gelernt haben.
Wie lernt man Latein?
Im Lateinunterricht wird grundsätzlich Deutsch, nur ganz selten Lateinisch
gesprochen. Von der ersten Stunde bis eventuell zum schriftlichen Abitur
werden lateinische Texte übersetzt. Damit entfallen die bei Schülern
manchmal nicht sehr beliebten Hörverstehensübungen. Aussprache
und Rechtschreibung machen keine Schwierigkeiten, da man so spricht, wie
man schreibt. Damit entfallen auch die Diktate.
Die heutigen Lehrwerke nützen die Möglichkeiten der modernen Didaktik
und Methodik und vermitteln in lebendiger Weise lateinische Sprache und römische
Kultur. Altersbezogene Texte, z.B. Sagen, Briefe, Gedichte, textbezogene
Bilder und Zeichnungen liefern Informationen über das römische
Leben.
Zwar ist ein Schüleraustausch mit einer lateinischen Schule nicht mehr
möglich, aber das berühmte Limesknie liegt gerade mal 500 Meter
vom Gymnasium Friedrich II. entfernt und jede Lateinklasse wandelt, soweit
möglich, wenigstens ein Mal während einer Studienfahrt in Trier
auf wirklich römischen Spuren.
Was lernt man in Latein?
Zunächst lernt man anfangs einfache, mit der Zeit auch schwierigere
und schwierige Texte zu verstehen und zu übersetzen. Man lernt, Sätze
zu analysieren, grammatikalische Strukturen zu verstehen und bei der Übersetzung
auch die eigene Ausdrucksfähigkeit in der deutschen Sprache zu schulen.
Mit allen Texten, die durchgearbeitet werden, dringen die Schülerinnen
und Schüler auch immer tiefer ein in römisches Denken und Leben,
das unser abendländisches Weltbild elementar geprägt hat. Das fängt
zunächst mit dem Kennenlernen der römischen Lebensweise, der römischen
Städte, der römischen Armee an und geht schließlich bis zum
Studium großer römischer Schriftsteller und Philosophen.
Ein wichtiges Ziel des Lateinunterrichts ist noch immer der Erwerb des Latinums
oder des Großen Latinums, die die Voraussetzung sind, um in einigen
Studienrichtungen einiger Universitäten das Staatsexamen, die Prüfung
zum Magister oder die Promotion ablegen zu dürfen.
